17.12.2010

Online-Markenschutz

Automatisiertes Vorgehen schlägt Internetbetrüger zurück

Frank Schulz
Frank Schulz
Das Internet ist für die meisten Unternehmen unverzichtbar. Wie in der physischen Welt stehen auch hier Marken im Zentrum des Kundeninteresses. Starke Marken führen zu hohem Traffic auf den Internetseiten ihrer Inhaber. Dieser generiert Umsatz über Online-Vertriebskanäle oder über die Markenerfahrung der Kunden im Web und späteren Kauf in traditionellen Geschäften.

von Frank Schulz

Auf dieses Prinzip setzen auch zunehmend Dritte. Sie nutzen Marken, an denen sie keine Rechte besitzen, für eigene, meist wirtschaftliche Interessen. Im besten Fall dieser „Markenentführung“ (engl. Brandjacking) bewegen sich diese in einem rechtlichen Graubereich; im schlimmsten Fall geht es um schweren Betrug durch den Vertrieb minderwertiger oder gefälschter Produkte. Das Schadenspotenzial für die Markeninhaber ist hoch: Es drohen direkter Verlust von Umsatz, Verwässerung der Marketinginvestitionen, Schadensersatzforderungen oder im schlimmsten Fall die Schädigung von Markenimage und Unternehmensreputation.

Wie Online-Betrüger Marken verletzen

Illegitime Markennutzung geht meist mit der Umleitung von Traffic (Traffic Diversion) auf betrügerische Seiten oder auf Internetauftritte von Wettbewerbern einher.

Eine übliche Brandjacking-Technik ist das sogenannte Cybersquatting. Dabei wird ein Markenname innerhalb einer betrügerischen Webadresse verwendet. Üblicherweise sichern sich Unternehmen offensichtliche Domainnamen für ihre Marken und sorgen dafür, dass sie zu den offiziellen Websites führen. Doch ein Cybersquatter, der darauf abzielt, den Traffic von einem Unternehmen, nennen wir es Abcd, umzuleiten, könnte beispielsweise eine Seite mit der Adresse www.abcdshoeoutlet.com ins Leben rufen. Eine Abwandlung ist das sogenannte Typosquatting, bei dem die Betrüger auf übliche Tippfehler der Internetnutzer setzen.

Tatsächlich muss eine Marke aber nicht einmal in der Internetadresse aufscheinen. Um von Suchmaschinen gefunden und gerankt zu werden, genügt es schon, wenn auf der Seite Keywords in der richtigen Kombination vorkommen, sei es in sichtbarem oder in verstecktem Text.

Eine weitere Methode ist die unauthorisierte Verwendung von Markenidentitäten und Logos. Sie lassen Konsumenten durch sogenannte False Associations (dt. falsche Assoziationen) glauben, dass es sich um einen offiziellen Vertriebskanal für die angebotenen Produkte handelt.

Graumarktaktivitäten, bei denen echte Markenprodukte über inoffizielle Vertriebskanäle abgesetzt werden oder Suchmaschinenwerbung, bei der Betrüger oder Wettbewerber fremde Markennamen als Keywords erwerben, sind Beispiele für bestenfalls fragwürdige Techniken.

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